Interview mit Sebastian Ebel

„Wir erschließen neue Quellmärkte rund um die Welt.“

TUI ist weit mehr als ein klassischer Reiseveranstalter. Das Unternehmen deckt die gesamte Wertschöpfungskette des Tourismus ab und möchte sich zukünftig als plattformbasierte Freizeitmarke positionieren. Ein Treiber hierbei wird die künstliche Intelligenz – und das Vertrauen der Gäste in die Angebote des Konzerns.

Herr Ebel, woran messen Sie den Erfolg der TUI Group?

Unser Kurs ist klar: TUI setzt in allen Bereichen auf nachhaltiges, profitables und globales Wachstum. Das haben wir im abgelaufenen Geschäftsjahr geliefert. TUI hatte ein erfolgreiches Jahr in einem anspruchsvollen Umfeld. Und auch für das Jahr 2026 behalten wir den Fokus bei.

Den Menschen ist ihr Urlaub und das damit verbundene Erlebnis sehr wichtig. Sie vertrauen mit TUI einer international starken und bekannten Marke, die für Qualität, Service und einmalige Urlapubserlebnisse steht. Für unsere Gäste gestalten wir die schönste Zeit des Jahres. Unsere Teams tun alles, um das Vertrauen unserer Gäste zu rechtfertigen, von der Beratung im Reisebüro über unsere Hotels und Schiffe bis zum Service am Urlaubsort.

Insbesondere im Geschäftsfeld Urlaubserlebnisse – unseren Hotels, Kreuzfahrten und bei unseren Ausflügen und Erlebnissen – wachsen wir stark. So wächst unser Hotelportfolio in allen Teilen der Welt. Allein in China und Südostasien haben wir inzwischen 24 Hotels unserer eigenen Marken, 29 weitere sind geplant. Weiteres Wachstumspotenzial sehen wir in Afrika. Dort sind wir in Nordafrika bereits stark mit unseren Hotelmarken vertreten, bauen nun aber auch unsere Cluster in West- und Ostafrika aus, wie zum Beispiel mit dem ersten TUI Blue in Gambia oder weiteren Riu und Jaz Resorts auf Sansibar. Gleichzeitig richten wir den Blick auch auf den amerikanischen Doppelkontinent. Hier wollen wir mit neuen Hotelprojekten neue Gäste aus der Region für unsere Urlaubserlebnisse gewinnen. Damit reduziert sich nebenbei auch die Saisonalität unseres Geschäfts. Das zeigt eindrucksvoll: TUI wächst global.

Das Geschäftsfeld Märkte + Airlines befindet sich in einer Transformation: Über unsere globalen Plattformen bieten wir unsere eigenen Produkte an, stellen eine gute Auslastung unserer Assets sicher. Wir erschließen neue Quellmärkte, damit machen wir TUI unabhängiger von unseren traditionellen Märkten in Europa. Das heißt, wir erreichen zusätzliche Kundengruppen in anderen Teilen der Welt, die unsere Marke bereits kennen: Gäste aus Asien, Südamerika, Südeuropa und Osteuropa. Das ist Teil unserer Wachstumsstrategie.

Und schließlich sieht man es auch in der Bilanz: Wir haben die Verschuldung weiter deutlich gesenkt und sind nach herausfordernden Pandemiejahren gut aufgestellt.

Woher kommt das Wachstum im Bereich Urlaubserlebnisse?

Der Bereich Urlaubserlebnisse umfasst Hotels, darunter unsere starken Marken Robinson, Riu, TUI Magic Life und TUI Blue, Jaz, The Mora und Royalton. Aber auch Kreuzfahrten, darunter TUI Cruises und Hapag-Lloyd Cruises, unsere Marella-Flotte in England sowie TUI Musement, die sich auf Ausflüge, Aktivitäten und Transfers konzentrieren.

Über das Hotelwachstum habe ich ja bereits gesprochen. Es ist toll zu sehen, dass unsere Hotelmarken über alle Kundensegmente hinweg weltweit für Nachfrage sorgen, gleichzeitig ist die durchschnittliche Kundenzufriedenheit herausragend hoch. Wir haben bereits 70 weitere Hotels in der Wachstumspipeline – die sind fest unterschrieben.

Auch die Nachfrage nach Kreuzfahrten bleibt ungebrochen. Mit der Mein Schiff Relax haben wir im vergangenen Jahr eine neue Schiffsklasse eingeführt, das Feedback der Gäste ist sehr positiv. Das Schwesterschiff Mein Schiff Flow kommt bereits im Juni 2026. Mit dann 19 Kreuzfahrtschiffen in unseren Flotten geht auch die Erfolgsgeschichte in diesem Bereich weiter. Für 2031 und 2032 sind übrigens bereits zwei weitere Schiffe bestellt.

Auch Musement verkaufte im vergangenen Jahr erstmals 10,6 Millionen Ausflüge. Die Teams vor Ort in Kombination mit unserem digitalen Serviceangebot sind ein Garant für eine starke Kundenbindung und hohe Loyalität.

TUI will zu einem Global Curated Leisure Marketplace werden – was beinhaltet diese Strategie?

Wir sind bereits heute weit mehr als ein klassischer Reiseveranstalter. Wir decken die gesamte Wertschöpfungskette des Tourismus ab – vom Reisebüro über die Airline, Kreuzfahrtschiffe und Hotels und natürlich die Erlebnisse vor Ort. Jede Marke hat ihren eigenen unverwechselbaren Kern, diese Marken und Produkte sind unsere Visitenkarte gegenüber dem Gast.

Unser Ziel ist: TUI als Freizeitmarke zu positionieren: Eigene exklusive und differenzierte Produkte wie unsere Hotel- und Kreuzfahrtmarken stehen für TUI und haben loyale Kunden. Diese eigenen Produkte kombinieren wir mit starken Angeboten von Drittanbietern, global vertrieben über gemeinsame Plattformen. Dieser Ansatz hilft uns dabei, die Marke TUI breiter aufzustellen: In Zukunft verbinden Kunden den Namen TUI nicht mehr nur mit ihrem Jahresurlaub, sondern auch mit Städtetrips, Freizeitangeboten, individuellen Ausflügen oder dem Laden von Elektrofahrzeugen. Das bieten wir heute bereits an Hotels und am TUI Campus in Hannover. Durch die größere Auswahl werden wir für mehr Kunden relevant.

Sebastian Ebel
„Wir sind bereits heute weit mehr als ein klassischer Reiseveranstalter.“ Sebastian Ebel, Vorstandsvorsitzender der TUI AG

Welche Rolle wird künstliche Intelligenz im Tourismus spielen?

KI ist für uns kein Zukunftsthema, sondern schon heute ein echter Turbo für TUI: ob personalisierte Angebote, dynamisches Pricing, effizientere Abläufe in Airline und Hotel – oder in der TUI App. Wir setzen auf KI, damit unsere Kunden besser reisen und wir noch besser arbeiten. Die Entwicklung und Einführung von generativer KI verändert die Reisebranche grundlegend. TUIs Strategie konzentriert sich darauf, unsere Inhalte sowohl 'KI-sichtbar' als auch 'KI-buchbar' zu machen, um von diesem Wandel zu profitieren.

Und lassen Sie mich klar sagen: Persönliche Beratung ist und bleibt wichtig. Wir profitieren vom starken Reisevertrieb der Reisebüros. Zusätzlich kooperieren wir aber auch mit KI-Plattformen wie Mindtrip, die persönliche Empfehlungen ausstellen und diese dann über TUI buchbar machen.

Kann KI auf lange Sicht Reisebüros ersetzen?

Ein eindeutiges Nein. Für TUI schwindet die Bedeutung der Reisebüros nicht. In Reisebüros buchen Kunden oft sehr hochwertige Reisen, und das sehr frühzeitig. Wir haben in ganz Europa rund 1.200 eigene Reisebüros und viele Tausend weitere TUI Agenturen und mobile Reiseberater. Zuletzt haben wir beispielsweise unseren ersten TUI Shop in Mexiko eröffnet, unsere Kunden schätzen den Komfort und die Nähe.

Der stationäre Vertrieb ist eine wichtige Säule unseres Geschäfts. Das Reisebüro ist Teil unserer Erfolgsgeschichte - das ist so und das bleibt so. Qualifizierte Beratung und die Erfahrung der Reiseexperten haben einen Wert für den Gast und für uns. Unsere Reisebüros stehen für Qualität, Kompetenz, Service und Vertrauen. Menschen und KI arbeiten zusammen. Das ist kein Gegensatz.

Unsere Mitarbeiter bewerten unseren Weg übrigens sehr positiv: In unserer neuesten Mitarbeiterbefragung haben wir Höchstwerte beim Mitarbeiterengagement und bei der Teilnahmequote erreicht.

TUI wächst seit dem Ende der Pandemie, hat für das abgelaufene Geschäftsjahr sogar die Guidance angehoben. Welche Treiber haben das möglich gemacht?

Zuerst natürlich unsere Kolleginnen und Kollegen in mehr als 100 Ländern der Welt. Sie sind das Gesicht von TUI, sie begleiten unsere Kunden von der Buchung bis zur Rückreise aus dem Urlaub. Das ermöglicht unser einzigartiges integriertes Geschäftsmodell, das die gesamte Wertschöpfungskette des Tourismus abdeckt. Mit mehr als 450 Hotels der TUI Hotelmarken sind wir international die größte Ferienhotelgesellschaft. Unsere Reiseveranstalter sind ein starker Vertrieb und sichern eine hohe Auslastung. Das zeigt, wie gut beide Geschäftsfelder zusammenwirken und innerhalb des TUI Ökosystems Wert schaffen.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist unsere strikte Kosten- und Finanzpolitik der letzten Jahre. Die großen Hebel sind in diesem Jahr die starken Ergebnisbeiträge bei unseren eigenen Produkten – also Hotels & Resorts, Erlebnisse sowie Kreuzfahrten – plus konsequentes Yield-Management beim Tour Operator- und im Airline-Geschäft. Zudem haben wir neue Kundenmärkte und -segmente erschlossen.

Seit der Pandemie haben wir unsere Prognosen Jahr für Jahr erfüllt bzw. übertroffen. Und auch für die kommenden Jahre wollen wir weiter wachsen und haben uns zum Ziel gesetzt, das Ergebnis in den kommenden Jahren um durchschnittlich sieben bis zehn Prozent im Jahr zu steigern – auch in einem aktuell schwierigeren Marktumfeld. Wir liefern verlässlich. Das ist uns als Team sehr wichtig.

Zur strategischen Partnerschaft mit dem Oman: Was genau sind Destinationscluster – und wie fügt sich der Oman ein?

Destinationscluster sind Regionen, die wir mit unseren verschiedenen Hotelmarken entwickeln und in denen wir Flug, Hotel und Erlebnisse gemeinsam steuern – mit hoher Effizienz und herausragender Kundenzufriedenheit. Erfolgreiche Beispiele aus der Vergangenheit liegen in Nord-, West-, und Ostafrika – darunter die Kapverden und auch Sansibar – aber auch in der Karibik.

Oman wird für uns ein neues Cluster – und das Beispiel Oman zeigt, warum TUI für Destinationen ein ganz einzigartiger Entwicklungspartner ist. Wir eröffnen bereits ab dem Winter 2028 gemeinsam fünf Hotels in der Region Dhofar, bringen Kreuzfahrtgäste unserer drei Gesellschaften Mein Schiff, Hapag Lloyd Cruises und Marella und werden Ausflüge anbieten. Die Grundstücksgesellschaft halten wir gemeinsam, die Hotels betreibt TUI: ein Riu-Hotel, ein Robinson-Club, ein TUI Blue Hotel sowie Hotels der Marken Jaz und The Mora. Wir können nicht nur Hotels bauen und managen, sondern auch eine hohe Auslastung sicherstellen. Oman sieht das Potenzial. Die omanische Entwicklungsgesellschaft OMRAN steigt gleichzeitig als langfristiger Aktionär bei TUI ein – das schafft Wachstum außerhalb der klassischen Märkte. Sie investieren zu 9,50 Euro je Aktie, mehr als der aktuelle Börsenkurs. Wir konnten in vielen Regionen der Welt bereits beweisen, wie erfolgreich dieser Ansatz ist - und haben dadurch vor Ort Tausende Arbeitsplätze geschaffen.

Welche globalen Unsicherheiten bleiben – ist TUI resilient aufgestellt?

Natürlich gibt es Herausforderungen: Geopolitik, Wetterextreme, Kraftstoff- und Währungsrisiken. Aber wir sind heute robuster, weniger saisonal und können schnell reagieren: Unsere Unternehmensstruktur ist diversifizierter, wir haben gute Plattformen und wir steuern Kapazitäten flexibel – das macht uns resilienter im Wettbewerb. Darauf können wir für die Zukunft bauen.

TUIs Fokus lag im vergangenen Jahr auch auf der Bilanz – eine Wandelanleihe wurde frühzeitig zurückgezahlt…

Absolut. Wir haben die Wandelanleihe aus dem Jahr 2021 vorzeitig getilgt, was unsere Zinslast senkt, die Verschuldung verbessert und uns mehr Flexibilität für Investitionen gibt. Das unterstreichen auch die gestiegenen Kreditratings aller großen Ratingagenturen im letzten Geschäftsjahr. Wachstum ist nur bei finanzieller Stärke möglich.

„Wachstum ist nur bei finanzieller Stärke möglich.“ Sebastian Ebel, Vorstandsvorsitzender der TUI AG

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in TUIs Strategie?

Nachhaltigkeit ist für uns kein Nice-to-have – es ist Teil unserer DNA. Wir haben uns ambitionierte Ziele gesetzt – z. B. die Hälfte der CO₂-Emissionen bei Hotels bis 2030 im Vergleich zu 2019 zu reduzieren, idealerweise weitaus mehr. Wir investieren in Technik, Energieeffizienz und Partner vor Ort – weil das auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Denn Projekte wie unsere Solarfarmen in der Türkei sind eindeutig ein Business Case, wir können unsere Hotels landesweit mit nachhaltigem Strom beliefern – solche Solarparks betreiben wir inzwischen in vielen Destinationen. TUI ist auf breiter Front aktiv: 2025 konnten wir zum Beispiel Einwegplastik pro Gästeübernachtung um 19 Prozent reduzieren, haben erstmals Bio-LNG für die TUI Cruises Flotte eingesetzt. Im renommierten CDP-Klimaranking wurden wir erstmals mit der Bestnote A ausgezeichnet. Unsere ambitionierten Emissionsziele werden selbstverständlich von der Science Based Targets Initiative überprüft. Auch das unterstreicht: Wir meinen es ernst.

„Nachhaltigkeit ist für uns kein Nice-to-have – es ist Teil unserer DNA.“ Sebastian Ebel, Vorstandsvorsitzender der TUI AG

TUI kooperiert zunehmend mit anderen bekannten Lifestyle-Marken wie smart oder Hummel – und sponsort nun Sport-Events. Was steckt dahinter? Und worauf dürfen wir uns 2026 noch freuen?

Solche Partnerschaften bringen uns in neue Lebenswelten: Mit smart zum Beispiel setzen wir auf E-Mobilität und Ladeinfrastruktur für unsere Gäste – und smart-Kunden können die TUI Edition eines Elektrofahrzeugs bekommen.

Kooperationen wie mit Hummel – wir gestalten eine gemeinsame Kollektion, engagieren uns gemeinsam im 6-gegen-6-Kleinfeldfußball – verknüpfen Marke, Reiseangebote, Erlebnis und Reichweite. Ein Ziel, das wir auch 2026 weiterverfolgen werden.

TUI ist als Marke sehr bekannt, braucht aber eine weitere Emotionalisierung. Ein gutes Beispiel dafür sind die TUI Marathons. TUI tritt als Titelsponsor bei Marathon-Veranstaltungen rund um das Mittelmeer auf – bislang auf Rhodos, Zypern und Mallorca. Das verbindet Gäste und Einheimische aller Generationen, verlängert die Saison und erlaubt es uns, zusätzlich Reisen an Sportbegeisterte zu verkaufen. Wir sehen bei den Läuferinnen und Läufern Wachstumsraten von bis zu 35% im Jahresvergleich, auf Mallorca waren wir frühzeitig ausverkauft. Diesen Ansatz werden wir auch weiterverfolgen.

Kurzum: Wir können unser Angebot rund um Freizeit und Erlebnisse weiter ausbauen. Am Ende ist das eine Win-win-win-Situation: für unsere Kunden, unsere Partner und TUI selbst.